12
SEP
2017

Digitalisierung und Bildung von Lehrpersonen an Gymnasien

Wer in der Schweiz eine Anstellung an einem Gymnasium erhalten will, muss seine oder ihre Kompetenz unter Beweis stellen: Meist ein vorgegebenes Thema mit einer Klasse in einer Schulstunde bearbeiten. Die Präsenz der Lehrkraft ist dabei von herausragender Bedeutung – sie soll das ausstrahlen, was oft »natürliche Autorität« genannt wird, aber gleichzeitig auch Empathie, Strukturiertheit, Lockerheit, Fachkompetenz und die Fähigkeit, die Perspektive von Lernenden einzunehmen. Die Lektion selbst soll – so eines der Big10-Items von Meyer – einen hohen Anteil an »echter Lernzeit« enthalten: Das führt zu stark getakteten und geführten Lektionen.

Mit anderen Worten: Vorstellungs- oder Prüfungslektionen können angehende Lehrkräfte wie Zirkuskünstler*innen wirken lassen, die vor Publikum mit einem Käfig von Tigern eine neue Nummer einstudieren. Dass Lernprozesse so ablaufen können, wie das die »7 Säulen des digitalen Lernens« umreißen, ist dabei höchstens ein Hintergedanke. So könnte lernen eigentlich ablaufen, wenn es nicht die Bedingungen des Systems gäbe, das über Zertifikate und Anstellungen entscheidet.

Kurz: An Schweizer Gymnasien gibt es eine Spannung zwischen den herrschenden Unterrichtsstrukturen und dem Lernen von Jugendlichen. In entscheidenden Momenten – Probelektionen sind dafür nur ein Beispiel, auch Maturprüfungen zeigen das sehr schön – setzen sich dabei die Strukturen durch. Die folgenden Ausführungen zeigen Schauplätze und Aspekte dieser Spannung auf, von denen aus unter Umständen Ansätze zu ihrer Auflösung denkbar sind.

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